Ausstellungen in der Galerie Remise 56

Meine Straße – Drei fotografische Skizzen

Meine Straße - Julia Otto Galerie Remise 56
Sie lebt seit 1982 in diesem Haus. Dieser Straße. Alle Häuser in der Straße ähneln sich. Gebaut in den 60er Jahren für Offiziere und Generäle der NVA. Mit Mann und Kind kam sie nach Strausberg. Arbeitete als Lehrerin. Lernte dadurch Generationen von Schülern kennen.
Danach als Rentnerin Pakete austragen, Promotion-Touren durch Supermärkte, Nachhilfeunterricht. Die Enkelkinder, die Wäsche, der Garten. „Es war immer was los. Und wir haben viel gelacht.“ Nach dem Tod ihres Mannes vor sechzehn Jahren blieb sie allein.
Seit einem Jahr steht das Auto in der Garage. Der Bewegungsradius ist kleiner geworden. Das Haus verlässt sie nur noch mit Stock oder Rollator. Manchmal brennt das Essen an, weil sie vergisst den Herd auszuschalten. Und immer wieder verschwinden Dinge.
Das Haus verlässt sie nur noch mit Stock oder Rollator. Manchmal brennt das Essen an, weil sie vergisst den Herd auszuschalten. Und immer wieder verschwinden Dinge.
Dafür sind die Erinnerungen an ihre eigene Kindheit wieder sehr präsent. Wenn jemand bei ihr ist, erzählt sie gern davon. Mit 88 Jahren führt sie immer noch ein selbstbestimmtes Leben – zwar mit Einschränkungen, aber in den eigenen vier Wänden. In vertrauter Umgebung.
Kinder, Enkelkinder und Lachen sind geblieben. Das angelehnte Gartentor zur Nachbarin. Sie schaut ab und zu vorbei. Abends vor dem Schlafengehen ein letzter Blick zum Nachbarn gegenüber. Ist er noch wach? Es ist derselbe seit 34 Jahren.

Julia Otto
Meine Straße - Astis Krause Galerie Remise 56
Stacheldraht, Mauern, verfallene Gebäude, eine Brache. Dieser Teil der Hegermühlenstraße hatte mich schon immer fasziniert. Als Kind war ich oft mit dem Fahrrad an dem Kasernengelände vorbei zum Garten meiner Oma gefahren. Der Anblick der sowjetischen Wachsoldaten beeindruckte mich. Noch mehr aber die Mädchen mit schönen Kleidern und großen Schleifen im Haar, die manchmal vor dem Tor zu sehen waren. Das brachte mich zum Grübeln über das Leben hinter den Mauern. Verbarg sich dort eine ganze Stadt, mit Kindergarten, Schule, Wohnhäusern und Einkaufsläden? Später erfuhr ich mehr darüber: Im Kalten Krieg unterhielt die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte, GSSD, auf dem 1,7 Hektar großen Gelände eine Versorgungsbasis. Beim Abzug der russischen Truppen 1994 wurde die Kaserne wurde aufgegeben und leer gezogen. Eine am Gelände vorbeilaufende Nebenstrecke
der Strausberger Eisenbahn wurde mangels Bedarf 2006 zurückgebaut. Betonierte Bodenplatten, neu entstehende Eigenheime, frisch gepflasterte Wege. Weiter stadtauswärts befindet sich die Hegermühlenstraße im Wandel. Bereits zu Beginn meines Studiums (in Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Fachhochschule Hannover) im Herbst 2006 habe ich eine Kurzzeitreportage zum Thema ‚Meine Straße’ fotografiert. Schon damals erschien mir die Hegermühlenstraße, die ich zehn Jahre lang unzählige Male entlang gefahren oder gelaufen war, so interessant, dass ich sie Professor und Kommilitonen gern zeigen wollte. Danach blieb eine Idee im Kopf: Man müsste die Entwicklung der Straße weiter verfolgen. Nach über zwölf Jahren habe ich mich wieder auf Spurensuche begeben. Was hat sich seitdem verändert?

Astis Krause
Meine Straße - Sven Dreißig Galerie Remise 56
Die Fotos sind zum Projekt „Meine Straße” im Frühjahr 2019 entstanden. Ich habe die Nachtaufnahme gewählt, um die Ruhe und Stille an sonst sehr belebten Plätzen zu nutzen bzw. zu zeigen. Durch die längeren Belichtungszeiten wird man zwangsläufig entschleunigt und man muss sich sehr auf Bildaufbau und Schärfe konzentrieren.
Wobei es aber absolut spannend ist in der Nachbearbeitung das Ergebnis zu sehen. Hat das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten gepasst oder war der Aufwand umsonst? Diese Technik nutze ich auch gern in der Landschaftsfotografie.
Die Serie wird fortgeführt.

Sven Dreißig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.